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Geschichte


20. Jahrhundert


Der europäische Klavierbau ist von ungewöhnlicher Kreativität geprägt. Die Klangqualitäten und Spielbarkeit der Instrumente erreichen ein Niveau, das der Entwicklung der Musik und der Wirkung der Komponisten neue Horizonte eröffnet.
 
Pianoforteinstrumente sind nicht nur Handwerkszeug der Virtuosen und Komponisten, sondern gehören zum Anfang dieses Jahrhunderts auch zu den beliebtesten Instrumenten des Bürgertums. Auf dieser Grundlage entsteht in Europa eine Klavierbaukunst, welche weltweit Maßstäbe setzt. Deshalb hat es gute Gründe, dass die historischen Wurzeln und Gründungsdaten der heute im Bundesverband Klavier zusammengeschlossenen Herstellerfirmen von Flügeln und Klavieren auch im 20sten Jahrhundert unverändert Maßstäbe setzen. Ihre Instrumente haben seit dem abendländischen Barockzeitalter eine große Epoche der Musikgeschichte nachhaltig geprägt.



1900

Nachdem Bösendorfer schon früh den eisernen Gussrahmen mit kreuzsaitiger Bespannung, den gewölbten Resonanzboden und eine spezielle Mechanik in die Produktion eingeführt hat, schuf Bösendorfer zur Jahrhundertwende auf Anregung des Komponisten Ferruccio Busoni einen Konzertflügel mit vollen acht Oktaven Spielumfang und der Länge von 2,90 Metern. Dieser Flügel erlangt Weltruhm und ist auch im 21sten Jahrhundert das Flagschiff des Hauses Bösendorfer.



Hugo Thürmer
Hugo Thürmer
Ferdinand Thürmer III
Ferdinand Thürmer III
Zur Jahrtausendwende gehört Thürmer zu den etablierten Manufakturen unter den Klavierfabriken. Ferdinand III und Hugo Thürmer, beides Enkel des Firmengründers. Unter ihrer Leitung gewinnen die Thürmer Instrumente vielfältige Auszeichnungen. In diese Jahre fallen die Ernennungen zum Hoflieferanten der Königinwitwe Carola von Sachsen (1905), des Großherzogs von Sachsen-Weimar (1906) und des Großherzogs von Hessen (1908). Als sich die Gründung der Ferdinand Thürmer Pianofortefabrik 1909 zum 75sten Mal jährt, werden seit einem Jahr in einer weiteren Fabrik in Meißen-Zscheila Instrumente gefertigt. 1946 gelingt es, den Firmensitz nach Westdeutschland zu verlegen und dort die Tradition in fünfter Generation fortzusetzen.


1903

Dr. Rudolf Blüthner-Haessler
Rudolf Blüthner-Haessler
In den fünfzig Jahren seit der Gründung im Jahr 1853 ist die Pianofortefabrik Julius Blüthner zu einem großen Betrieb gewachsen. 50 000 Flügel und Klaviere zeugen von dem Erfolg des Hauses, das von den Söhnen des Gründers Heinrich Bruno, Adolf Max und Dr. Robert Blüthner weitergeführt wird. Das Verkaufsgebiet wird auf die ganze Welt ausgedehnt. Ab 1932 setzt Dr. Rudolph Blüthner-Haessler diese Arbeit fort. Unter der Führung von Ingbert Blüthner-Haessler bleibt die Konzentration auf die Klangphilosophie des Firmengründers unverändert das musikalische Markenzeichen der Instrumente.



1906

Hans Neupert
Hans Neupert
Die intensiven Entwicklungsarbeiten der drei Söhne des Firmengründers führen dazu, dass den NEUPERT-Klavieren auf der Kunst- und Gewerbeausstellung in Nürnberg die Goldene Staatsmedaille "für hervorragend schönen Ton" zuerkannt wird. Dort stellt die Firma auch - damals eine Pioniertat - das erste selbstkonstruierte NEUPERT-Cembalo der Öffentlichkeit vor. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wird die gesamte Familie der besaiteten historischen Klavierinstrumente rekonstruiert. Gestützt auf die Vorbilder der NEUPERTschen Instrumenten-Sammlung und die wissenschaftlichen Arbeiten von Hanns Neupert, einem Enkel des Firmengründers, erlangen die NEUPERTschen Instrumente Weltgeltung.



1907

Burkhard Steingraeber
Burkhard Steingraeber
George Steingraeber geht als Cembalobauer nach Berlin. Seine wertvolle Sammlung schenkt er verschiedenen Museen (Deutsches Museum und Stadtmuseum München, Württembergisches Staatsmuseum etc). In Bayreuth wird Steingraeber & Söhne als Familienunternehmen weitergeführt. Zunächst von Burkhard Steingraeber, dann durch dessen Tochter Lilly Steingraeber und deren Ehemann Dr. Heinrich Herrmann.
 



1909

Carl Sauter II
Carl Sauter II
Der Name Sauter hat in der Welt der Pianoforteinstrumente einen ausgezeichneten Klang. Unter Führung von Carl Sauter II. werden das Werk in Spaichingen erweitert und moderne Fertigungsmethoden eingeführt. Er treibt den Ausbau der Manufaktur und die Steigerung der Produktion voran.











Cäsar Förster
Cäsar Förster
Als Förster auf 50 Jahre Firmengeschichte zurückblickt, steht Cäsar Förster, der Sohn des Gründers seit zwölf Jahren an der Spitze des Unternehmens. Unter seiner Führung wurde 1900 in Georgswalde (Böhmen) nahe der Grenze auf tschechischer Seite ein Zweigwerk errichtet, welches am Ende des Zweiten Weltkrieges von der tschechischen Regierung enteignet wurde. Nach dem frühen Ableben von Cäsar Förster übernahmen dessen Söhne Gerhard als genialer Klavierbauer und Manfred als umsichtiger Kaufmann die Leitung des Familienbetriebes.




1912

Die Firma Gebrüder Wupper in Gevelsberg, 1912 gegründet, entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der traditionsreichsten Klavierbestandteile-Hersteller in Deutschland.




1915

2. Generation (Jan, Antonín und Vladimír Petrof)
Jan, Antonín und Vladimír Petrof
1915 tritt Vladimir Petrof, der jüngste Sohn des Firmengründers, die Nachfolge seines Vaters an. Von da an haben Vladimir Petrof (im Bild rechts) und seine beiden älteren Brüder Jan und Antonin mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen und nur in wenigen Jahren auch ruhigere Zeiten erlebt. Während des Ersten Weltkrieges muss die Produktion drastisch eingeschränkt werden. Der danach folgende Aufschwung mit der explosionsartigen Verbreitung von selbstspielenden Flügeln und Klavieren kommt mit der Einführung des Radios und dem Anschluss der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich (1938) schlagartig zum völligen Erliegen. Der Zweite Weltkrieg bewirkt dann das nahezu vollständige Ende aller wirtschaftlichen Tätigkeiten im Land. Dass Petrof zu den wenigen überlebenden Fabriken dieser Periode zählt, ist Beweis dafür, dass der Betrieb zu den gut geführten Familienunternehmen der Klavierindustrie zählt. Doch die härtesten Zeiten beginnen 1947, als die Kommunisten an die Regierung gelangen und die gesamte Industrie - darunter auch die Klavierfabrik Petrof – verstaatlicht wird. Unter kommunistischer Führung werden die Fabrikanlagen zwar erweitert und die Produktionszahlen erhöht, doch gleichzeitig verfällt die Qualität der Instrumente. In den 1960er Jahren wird bereits erkennbar, dass dem kommunistischen Experiment kein Erfolg beschieden ist. Trotzdem dauert es noch bis zum November 1989, bis sich Zehntausende auf den Straßen von Prag zu friedlichen Demonstrationen zusammenfinden und das Ende des kommunistischen Regimes fordern- unter ihnen auch Zuzana Petrofová, heute Präsidentin des Familienunternehmens Petrof.



1923

Johannes Seiler
Johannes Seiler
Im Haus Seiler übernimmt Anton Seiler-Dütz als Schwiegersohn 1923 von Johannes Seiler die Unternehmensführung und setzt die Erfolgsgeschichte von Seiler fort – 430 Beschäftigte machen das Unternehmen zur „größten Pianofortefabrik Ostdeutschlands“. Künstler und Pianisten mit Weltruf, etwa ein Enrico Caruso, Arthur Nikisch oder Ruggiero Leoncavallo, begleiten ihre Karriere mit Instrumenten von Seiler. Ebenso ist Seiler auf den Bayreuther Festspielen präsent und in den Konzertsälen rund um den Globus zuhause. Die Weltwirtschaftskrise übersteht Seiler ohne Produktionsunterbrechung. Der Zweite Weltkrieg hingegen markiert das Ende der Liegnitzer Fabrik durch den Zusammenbruch Deutschlands und die Vertreibung aus Schlesien.

 

1925

Matthäus Kraus gründet die Spedition Kraus & Pabst und konzentriert sich zunächst auf den Transport von Sammelgut und Möbeln. Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1936 übernimmt sein Schwiegersohn Rudolf Rohrbacher die Führung des Unternehmens. 1958 erweitert Kraus & Pabst seine Dienstleistungspalette auf die Distribution von unverpackten Großmusikinstrumenten. Daraus entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten ein europaweites Logistiknetz. Ab 1965 sind die Enkel des Gründers, Gerhard und Rolf Rohrbacher die treibenden Kräfte im Wandel zur Internationalisierung der Transportdienstleistungen und Ausweitung der Palette anspruchsvoller Dienstleistungen. Die Dienstleistung des Unternehmens für Hersteller und Händler von Flügeln und Klavieren, aber auch Privatkunden wird nahezu unverzichtbar.



1926

Mitte der 1920er Jahre muss sich die Klavierindustrie großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten stellen. Überall sind die Produktionszahlen auf einen Bruchteil der vorhandenen Kapazität geschrumpft. Die Ludwig Hupfeld AG muss 1926 mit der Klavierfabrik Gebr. Zimmermann fusionieren. Das Unternehmen firmiert nun unter Leipziger Pianoforte- & und Phonola-Fabriken, Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG und hat Standorte in Leipzig, Eilenburg, Dresden und Seifhennersdorf. Zum Produktionsprogramm gehören unverändert Flügel und Klaviere der Marke Rönisch, welche aus den Fertigungsstätten in Dresden stammen.



1929

1929 erreicht die vom Klavierfabrikanten Johann Christoph Neupert begonnene Sammlertätigkeit ihr erstrebtes Ziel: Im geschichtsträchtigen Haus zur Waage in der Nürnberger Altstadt wird das ‚Musikhistorische Museum Neupert' eröffnet, in dem die ca. 300 historischen Tasteninstrumente der Firma Neupert einen adäquaten Platz finden. Heute werden sie im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt.
 


Der Vierteltonflügel von Förster mit zwei übereinander liegenden akustischen Anlagen und zwei Manualen war ein Versuch, das Tonspektrum des Klaviers und damit der ganzen europäischen Musik zu erweitern. Alois Hába fordert die Unterteilung in Vierteltöne und gibt damit den Anstoß zur Konstruktion des neuen Flügels.



1935

Helmut Grotrian-Steinweg
Helmut
Grotrian-Steinweg
Erwin Grotrian-Steinweg
Erwin
Grotrian-Steinweg
100 Jahre liegt es zurück, dass in Seesen am Harz ein Tafelklavier gebaut worden ist, welches den Ursprung des Hauses Grotrian-Steinweg begründet. Seit 1919 führt die Familie den Doppelnamen des Unternehmens auch als Familiennamen. Es ist diese lange Tradition aus Handwerk und Ingenieurskunst, die auch von Helmut und Erwin Grotrian-Steinweg gepflegt wird. Vor allem ist es aber die Liebe zur Musik, welche die Familie Grotrian-Steinweg immer wieder dazu antreibt, mit wesentlichen Erfindungen den Klavierbau weiterzuentwickeln. So entsteht bei Grotrian-Steinweg auch der „homogene Resonanzboden“, der wie aus einem Stück klingt, dennoch aber aus einzelnen Spänen (Fichtenbrettern) sorgsam zusammengefügt ist, welche sich harmonisch zueinander verhalten.
 
Wilhelm Arno Schimmel
Wilhelm Arno Schimmel
Im Jahr des 50-jährigen Jubiläums meldet Schimmel für Klaviere einen neuartigen Gussrahmen für Klangkörper ohne Rastenspreizen zum Patent an – die wohl wichtigste Erfindung der Branche im 20. Jahrhundert. Diese innovative Konstruktion trägt wesentlich zum Aufstieg des Unternehmens zum größten deutschen Klavierbauer bei und ist die Blaupause für die gesamte europäische Klavierindustrie. Arno Wilhelm Schimmels Unternehmergeist und Erfindungsreichtum sind der Antrieb für weitere bahnbrechende Erfindungen, wie den 1952 erstmals vorgestellten Glasflügel, der in der damaligen Zeit wie ein kleines Wunder wirkt. Basierend auf dieser Idee entwickelt sein Sohn Nikolaus Schimmel ein konzertfähiges Tourneeinstrument, welches heute auf vielen Bühnen der Welt zuhause ist. Gilbert Bécaud, Udo Jürgens, Lenny Kravitz und andere haben den Flügel zu einem festen Bestandteil ihrer Auftritte gemacht.



Dr. Walter Pfeiffer
Walter Pfeiffer
Dr. Walter Pfeiffer widmet seine Arbeitskraft über Jahrzehnte der wissenschaftlichen Seite des Klavierbaus. Seine Fachbücher gehören heute noch zu den Standardwerken.










1947

Gerhard und Manfred Förster
Gerhard und Manfred Förster
Der Firma August Förster gelingt es unter Leitung von Gerhard und Manfred Förster, den Enkeln des Gründers, schon 1947 die Produktion für Flügel und Klaviere wiederzubeleben. Als Manfred Förster 1952 verstirbt, führt sein Bruder Gerhard den Betrieb fort. 1972 erfolgt die Verstaatlichung und 1984 der Anschluss an den Betrieb der Deutschen Pianounion, einem Staatsunternehmen der DDR. Doch Wolfgang Förster, der Repräsentant der vierten Generation der Gründerfamilie, kann den traditionsreichen Namen auch über das Ende der DDR und deren Planwirtschaft hinaus erhalten.



Tragische Schicksalsschläge lassen die Familie Rönisch, aber nicht den Markennamen erlöschen. Nach der völligen Zerstörung der Fabrikanlagen in Dresden (1945) und der Enteignung von Ludwig Hupfeld (1946) findet Rönisch in Leipzig eine neue Heimstatt und firmiert nun unter „Leipziger Pianofortefabrik“. Bereits 1948 wird das erste RÖNISCH-Klavier auf der Leipziger Frühjahrsmesse ausgestellt. Es leitet eine Entwicklung ein, die den Namen Rönisch zum zweiten Mal um die Welt trägt. 1967 folgt die Gründung der „VEB Deutsche Piano Union“, unter deren Dach die Klavierindustrie in Ostdeutschland bis zum Zusammenbruch des politischen Systems organisiert ist (1989). 1997 wird Rönisch von der Carl A. Pfeiffer GmbH & Co. KG (Leonberg bei Stuttgart) übernommen, unter deren Führung die Produktionstätte in Leipzig fortbesteht.
 


Neue Strukturen müssen im Deutschland nach Kriegsende geschaffen werden. 1947 wird der ‚Fachverband Deutsche Klavierindustrie' (heute: Bundesverband Klavier e.V.) gegründet, von dem zahlreiche musikpädagogische und soziale Initiativen ausgehen. Dazu gehören u.a. die Initialzündung zum Wettbewerb „Jugend Musiziert“, die enge Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Musikschulen sowie in besonderer Weise die finanziellen und organisatorischen Unterstützungen bei der Entwicklung und Einführung der Musikalischen Früherziehung von vier- bis sechsjährigen an den Mitgliedsschulen des VDM in Deutschland.



1948

Hans Sauter
Hans Sauter
Auch bei Sauter muss wieder neu begonnen werden. Es ist Hans Sauter, der nach dem Ableben von Carl Sauter II 1948 an die Spitze der Familienfirma tritt. Wie überall beginnt der Wiederaufbau in kleinen Schritten. Aber Erfahrung und Tradition sind in dieser Zeit ein unersetzliches Kapital. Zielbewusst schafft Hans Sauter wieder solide Fundamente, auf denen die traditionsreiche Manufaktur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufbauen kann.




Als Alfred Jahn 1948 ein Unternehmen für den Großhandel mit Pianobestandteilen gründet, kann er sich auf langjährige Erfahrungen in der Klavierbranche stützen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau der Klavierindustrie. Gegenwärtig führen die Klavierbauer Jürgen Harke und sein Sohn Andreas das Unternehmen in Grub am Forst mit einem breiten Sortiment an Bestandteilen und Werkzeugen, Zubehör rings ums Klavier - zum Teil aus eigener Entwicklung.


 

1950

Heinrich Schmidt
Heinrich Schmidt
Bei Steingraeber & Söhne knüpft Heinrich Schmidt an die überkommenen Traditionen an. Als Geschäftsführer der Familiengesellschaft sichert er in den Nachkriegsjahren das Überleben des Unternehmens durch die Fertigung von Radiogehäusen für die Firma Grundig in Fürth. Nach Heirat mit Magdalene Thiem organisieren beide das „Künstlerhaus Steingraeber“. 1960 / 1962 wird in der Dammallee (Bayreuth) eine komplett neue Manufaktur eingerichtet. 1972 werden Heinrich und Magdalene Schmidt Alleingesellschafter der Familien KG. In diese Zeit fällt auch der Wiederbeginn der kontinuierlichen Flügelfertigung, die seit 1940 unterbrochen war.





1953

Die Geschichte der Firma „OTTO HEUSS“ beginnt in einem 5 qm kleinen Keller des Wohnhauses von Firmengründer Otto Heuß. Hier werden zunächst Orgelspieltische gebaut. Das Unternehmen beschäftigt immer mehr Mitarbeiter und errichtet 1965 sein erstes eigenes Fabrikgebäude. Schrittweise folgen weitere Bauvorhaben. Im Jahr 2000 wurden die ersten Klaviaturen für Flügel und Klaviere gefertigt. Mitarbeiter und Geschäftsführung schauen nun über den Tellerrand des Orgelbaus. Heute sind die Erzeugnisse der beiden von Stefan Otto Heuß geleiteten Unternehmen “OTTO HEUSS Orgelteile“ und „OTTO HEUSS Klaviaturen“ weltweit ein Begriff für Zuverlässigkeit, Qualität und Präzision.



1954

Es ist Steffen Seiler, der das Unternehmen neu gründet und die alte schlesische Marke wieder zu einer der großen europäischen Pianofortefabriken ausbaut. Nachdem er Gussplatten-Modelle, Schablonen und Konstruktionszeichnungen unter Lebensgefahr in den Westen gebracht hat, fertigt er in Dänemark die ersten Seiler-Nachkriegs-Klaviere in Lizenz und gründet 1954 das Unternehmen neu. 1956 schafft er die technischen Voraussetzungen zu einer deutschen Lizenzproduktion und baut 1961 im fränkischen Kitzingen eine eigene Produktionsstätte auf. Von den 70er Jahren an beginnt Seiler mit der Entwicklung von Stilinstrumenten in Sonderhölzern. Sorgfältig ausgesuchte Furniere durchlaufen einen aufwendigen Veredlungsprozess und verschmelzen mit zu Motiven und Ornamenten verarbeiteten Intarsien zu Unikaten aus Meisterhand.



1965

Wenige Jahre nachdem Nikolaus Wilhelm Schimmel die Führung des Unternehmens von seinem 1961 unerwartet verstorbenen Vater übernommen hat, führt er das Unternehmen zu ungeahnten Erfolgen: Er verbindet die Erfolgsfaktoren Qualität und Innovation der ersten und zweiten Generation mit sehr erfolgreichem Marketing und einer starken Exportorientierung. Schimmel wird unangefochten zum erfolgreichsten westdeutschen Unternehmen und ist seither „das meistgespielte deutsche Klavier“. In diese Zeit fällt auch der Umzug in neue, moderne Produktionsstätten und der Aufbau der musikalischen Früherziehung in Deutschland, an dem Wilhelm Nikolaus erheblichen Anteil hat – wofür er später das Bundesverdienstkreuz bekommen wird.



1969

Car Sauter III
Carl Sauter III
150 Jahre sind seit Gründung der Pianomanufaktur Sauter vergangen. Damit ist das Unternehmen der älteste Klavierhersteller in Deutschland. Die Instrumentenmacher im Hause Sauter haben über Generationen zur Fortentwicklung der Pianoforteinstrumente beigetragen, wie eine Vielfalt von Patenten belegt, darunter die Entwicklung der Repetitionsmechanik-R2, die auf dem Klavier einen Anschlag ähnlich dem eines Flügels ermöglicht. Als Hans Sauter 1968 verstirbt, tritt sein Bruder Carl Sauter III an dessen Stelle.
 



Horst Burghardt gründet ein Unternehmen, das sich zunächst über ein Jahrzehnt mit dem Vertrieb von Orgeln, Gitarren, Musikinstrumenten und Zubehör beschäftigt. Seit Beginn der achtziger Jahre widmet sich die Firma dem Großhandel von Bänken und Stühlen für Klaviere und Flügel sowie Notenständern. Im Zeitalter der Globalisierung haben der Ideenreichtum des Gründers und die Angebotspalette dem Unternehmen weltweit Marktnischen für die von ihm vertriebenen Produkte erschlossen.



1970

Helmut Pfeiffer
Helmut Pfeiffer
Im In- und Ausland finden die Pfeiffer-Instrumente durch ihre Klangschönheit, ihre robuste Konstruktion und Langlebigkeit großen Anklang. Dem Trend zum höheren Klavier trägt das Modell 122/124 Rechnung, das 1985 in Paris mit der "Goldenen Stimmgabel" ausgezeichnet wird. 1989 wird die Flügelproduktion mit dem Modell 191 wieder aufgenommen.
 








1981

Paolo Fazioli ist 1944 in Rom geboren. Bereits in frühester Jugend beweist er ein ausgeprägtes musikalisches Talent und großes Interesse am Klavier. Nach dem Ingenieurdiplom an der Universität von Rom (1971) legt Paolo Fazioli am Conservatorio G. Rossini in Pesaro bei Sergio Cafaro auch sein Klavierdiplom ab. Nach vorübergehender Tätigkeit im Familienunternehmen konzentriert er sich auf das Studium des Flügels, analysiert die Konstruktionsmerkmale von existierenden Instrumenten und deren Klangcharakteristiken. Zugleich sucht er den Dialog mit erfahrenen Forschern des Sektors. Auf diesen Grundlagen gründet Paolo Fazioli im Januar 1981 die Fazioli Pianoforti srl. Die ersten künstlerischen Erfolge stellen sich ein. Hochkarätige Pianisten spielen die neuen Flügel, darunter Aldo Ciccolini, Alfred Brendel, Martha Argerich, Vladimir Aschkenazy, Lazar Berman, Nikita Magaloff, Michel Beroff, Annie Fischer, Louis Lortie und viele andere. Einige bedeutende Konzertsäle erwerben den Konzertflügel F278. Gleichzeitig beginnt der Export in die wichtigsten europäischen Länder und die USA. Das Bedürfnis, über ein Modell mit noch größerer Leistung und gesteigertem Harmonienreichtum für große Konzertsäle verfügen zu können, führt zur Entwicklung des längsten Konzertflügels, der auf dem Weltmarkt zur Verfügung steht. 1987 weiht der Pianist François Joël Thioller das neue Fazioli Modell F308 im Stadttheater von Monfalcone mit dem 1. und 2. Klavierkonzert von Tschaikowsky ein.



1982

Helmut Abel gründet nach 20-jähriger Erfahrung als Hammerkopfmacher ein eigenes Unternehmen zur Herstellung von Hammerköpfen für Flügel und Klaviere. Heute werden im Werk Frankenhardt unter Nutzung modernster Fertigungstechniken und im Einklang mit hoher handwerklicher Geschicklichkeit Hammerköpfe produziert sowie spezielle Mechanikteile für die Klavierindustrie als auch für Reparateure in aller Welt hergestellt. Ein Spezialgebiet ist die Reparatur von Hammerköpfen und Mechaniken.



1985

Knut Grotrian-Steinweg
Knut Grotrian-Steinweg
Hundertfünfzig Jahre reichen die Wurzeln des Hauses Grotrian-Steinweg zurück. In dieser Zeit haben mehr als 30 Kaiser, Königs- und Fürstenhäuser das Unternehmen zum Hoflieferanten ernannt. Diese ungewöhnlich reiche Tradition ist der Hintergrund für die großzügige Schenkung einer außergewöhnlichen Sammlung historischer Pianoforteinstrumente an das Städtische Museum in Braunschweig. Knut Grotrian-Steinweg, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt, hat aus Anlass des hundertfünfzigjährigen Bestehens der Braunschweiger Pianofortemanufaktur diese Schenkung im Namen von Familie und Unternehmen übergeben.


 
Nikolaus Wilhelm Schimmel
Nikolaus Wilhelm Schimmel

Im Jahr des 100-jährigen Jubiläums ist Schimmel seiner Branche erneut weit voraus und deckt mit einer Markenfamilie verschiedene Preissegmente und regionale Vorlieben ab: Neben der Marke Schimmel umfasst die Markenfamilie die französischen Marken Pleyel, Gaveau und Erard sowie die Tochterfirmen May Berlin und die Schweizer Klaviermanufaktur Sabel. Wilhelm Nikolaus Schimmel beginnt früh, das Unternehmen durch stetige Innovation auf die Zukunft vorzubereiten: Neue Ideen wie das AUDIOFORTE-System und die Zusammenarbeit mit renommierten wissenschaftlichen Institutionen wie dem Fraunhofer-Institut führen zur stetigen Verbesserung der Instrumente und der Erweiterung des Angebots für die Kunden, wie das seit Mitter der 1990er Jahre erhältliche TWINTONE-System.
 


Klavierbaumeister Walter Heller startet 1985 mit der Produktion von Basssaiten für Flügel und Klaviere. 25 Jahre später haben seine Erzeugnisse einen hervorragenden Ruf und werden weltweit exportiert.


1987

Steffen Seiler
Steffen Seiler
Seiler stellt als erste Firma weltweit 1987 einen voll midifizierten, akustischen Flügel und somit den Urvater aller modernen Klaviere mit Elektronik vor. Der Flügel besitzt erstmals eine Stummschaltung in Verbindung mit einer ‚Midi'-Einrichtung, die es ermöglicht, das Instrument sowohl als Flügel als auch als "Masterkeyboard" zu nutzen, wobei die Spielart aufgrund der echten Flügelmechanik unerreicht bleibt. In dieser Masterkeyboard-Funktion ist es möglich, einen Computer oder ein Soundmodul hinter der Bühne vom Flügel aus zu steuern und sich aller Klänge aus der Welt der Elektronik zu bedienen. Diese Erfindung ermöglicht es dem Interpreten, sein Spiel auf vielfältige Weise wiederzugeben - im originalen Klavierklang oder mit Orchesterbegleitung oder im digitalen Computersound. Nach dem Tod von Steffen Seiler wird das Unternehmen von dessen Ehefrau Ursula Seiler weitergeführt.



1988

Jan Thürmer
Jan Thürmer
Nach über 150 Jahren Firmengeschichte kann Thürmer in Bochum einen Fabrikneubau beziehen. Hausherr Jan Thürmer hat den zentralen Komplex als Industriestandort und Kulturforum mit Klaviermuseum, Kammermusiksaal und Wohnmöglichkeiten für die Künstler - architektonisch reizvoll verbunden - konzipiert.







1990

Ingbert Blüthner-Haessler mit Söhnen Knut (links) und Dr. Christian Blüthner-Haessler
Ingbert Blüthner-Haessler mit Söhnen Knut (links) und Dr. Christian Blüthner-Haessler
Ingbert Blüthner-Haessler kann nach dem Ende der DDR 1990 den Besitzanspruch seiner Familie auf das enteignete Leipziger Unternehmen geltend machen. Sein Sohn und Klavierbaumeister Knut Blüthner-Haessler widmet sich der Konstruktion und Weiterentwicklung der Instrumente. Seit 1995 ist Dr. Christian Blüthner-Haessler als Mitglied der Geschäftsleitung für die Pflege und den Ausbau der weltweiten Vertriebs- und Servicezentren verantwortlich.








Dr. Georg Pfeiffer
Georg Pfeiffer
Instrumente der Flügel- und Klavierfabrik Carl A. Pfeiffer gehören zu den renommierten Marken der deutschen Klavierindustrie. 1990 tritt mit Dr. Georg Pfeiffer die fünfte Generation in den Familienbetrieb ein. 1993 wird der Öffentlichkeit die Neuauflage des einzigen Flügels im Bauhausstil präsentiert. 1994 zieht die Firma nach Leonberg.
 










Wolfgang Förster
Wolfgang Förster
Wolfgang Förster steht nach dem Ableben seines Onkels (1966) vor erheblichen Herausforderungen. Es ist seinem Geschick zuzuschreiben, dass der Familienbetrieb fortgeführt werden kann und auch nach der vom Staat verordneten Eingliederung des Betriebes in die Deutsche Piano Union die Produktion der Original-Förster Instrumente in Löbau aufrecht erhalten werden kann. Ab 1990 ist Wolfgang Förster dann wieder Herr im eigenen Haus. Nach Ausgliederung der Firma aus der Deutschen Pianounion (Leipzig), firmiert der nun selbstständige Betrieb wieder unter seinem traditionsreichen Namen August Förster GmbH.



Die B. & K. Baumgärtel GmbH besteht seit 1990 in Gera und beliefert die Klavierbranche mit einem großen Sortiment an Bestandteilen, Transportmitteln etc und widmet sich der Herstellung von besponnenen Basssaiten sowie der Erneuerung von Tastenbelägen und der Reparatur von Klaviaturen.



1991

Ing. Jan Petrof
Jan Petrof
Als der tschechische Präsident Vaclav Havel 1991 von Plänen spricht, die vom Staat erfolgten Enteignungen rückgängig zu machen, schöpft die Familie Petrof erstmals Hoffnung, dass sie ihr Eigentum an der Klavierfabrik möglicherweise zurückverlangen kann. Ein Jahr später wird Jan Petrof wieder zum Präsidenten des von seinem Urgroßvater gegründeten Unternehmens berufen. Umgehend beginnt er damit, das handwerkliche Können und das Bewusstsein der Mitarbeiter für Qualität wieder auf internationalen Standard zu heben. Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit wird die Qualität der Instrumente sehr wettbewerbsfähig. Gleichzeitig widmet sich Jan Petrof mit Erfolg dem Ausbau der Absatzmärkte in Europa, auf dem amerikanischen Kontinent und Teilen des Fernen Ostens. Daneben erfordern die Bemühungen der Familie um Reprivatisierung viel Zeit. Nach 10 Jahren intensiver Verhandlungen gibt der Staat 4% des Anlagevermögens an die Familie zurück, während die Familie Petrof 2001den verbleibenden Teil vom Staat käuflich erwirbt. Nach diesem Rückkauf durch die Familie treten Zuzana Petrofová und ihre jüngere Schwester Ivana Petrofová in den Familienbetrieb ein.



1992

In der fast 140-jährigen Geschichte hat sich die Firma Neupert von einer Klavier- und Flügelfabrik zu einer kunsthandwerklichen Manufaktur für historische Tasteninstrumente, u.a. im neuzeitlichen Cembalobau, gewandelt. Heute besitzt das in vierter Generation von Wolf Dieter Neupert geführte Unternehmen die weltweit längste Tradition im Bau historischer Tasteninstrumente.



1993

Otto Hott
Otto Hott
Otto Hott, Diplomvolkswirt, erwirbt nach dem Ausscheiden von Carl Sauter III die Mehrheit der Anteile. Mit Ulrich Sauter als weiterer Gesellschafter verbleibt ein Familienmitglied als Prokurist und Vertriebsleiter in der Firma. Es beginnt eine Phase erfolgreicher Neuausrichtung auf dem Weltmarkt. Innovationen führen Sauter in die internationale Premiumklasse. Seit 1996 setzt sich der international renommierte Designer Peter Maly exklusiv für Sauter mit dem Thema Klavier auseinander und hat eine besondere Design-Serie kreiert. Neu sind vor allem der Blick über die Grenzen des Instruments hinaus in die Wohnwelten von heute sowie der Anspruch, Klangkulturen und Wohnkulturen in Einklang zu bringen. 2011 klassifiziert Larry Fine (USA) in „The Piano Book“ die Sauter Instrumente in der Spitzengruppe „Highest Quality“.
 

Zum einhundertsten Mal jährt sich die Gründung der Meyne Klaviertechnik GmbH. Für Hersteller und Handel der Klavierbranche bietet das Unternehmen ein großes Spektrum an Bestandteilen und Zubehör an.



1995

175 Jahre umfasst die Geschichte der Pianofortefabrik Steingraeber & Söhne, davon 140 Jahre in Bayreuth. Vor allem die kommunikativen Möglichkeiten der Festspielstadt werden genutzt. Das Bayreuther Steingraeber-Haus ist Mittelpunkt glanzvoller Konzerte und Künstlertreffpunkt. Steingraeber entwickelt ein Klavier speziell für Rollstuhlfahrer mit elektromagnetischer Steuerung der Pedalfunktionen, die durch Sensoren in der Schlossleiste bzw. in einem Rückenkissen bestätigt werden.



Gutes Resonanzholz gehört zu den wesentlichen Komponenten erstklassiger Flügel und Klaviere. Im Hause Strunz weiß man das seit der Gründung vor 175 Jahren. Inzwischen zählen Klavierhersteller im In- und Ausland zu den Kunden des traditionsreichen Familienbetriebes.



1997

Flügel und Klaviere bestehen aus zehntausenden einzelner Teile. Zu den wichtigen Komponenten gehören die Stimmwirbel, welche die Klangsaiten halten und das Stimmen der Instrumente ermöglichen. Hochfester Stahl, spezielles Gewinde und absolute Präzision sind unabdingbar. Julius Klinke fertigt für die Klavierindustrie seit 150 Jahren solche Stimmwirbel und viele andere Metallbestandteile.



1998

In den 175 Jahren der Unternehmensgeschichte von Laukhuff hat die Gründerfamilie den Familienbetrieb zu Weltruhm geführt. Zu dem vielseitigen Fertigungsprogramm von Bestandteilen und Halbfabrikaten für den Orgelbau gehören auch Klaviaturen für Flügel und Klaviere.
 

 

1999

Gedenkmünze auf Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 2000 (Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objektnr. 18217213. Foto: Dirk Sonnenwald.)
Für das Jahr 2000, das Gedenkjahr zum 250. Todestag J. S. Bachs, hat Neupert in Bamberg ein neues Konzertcembalo entwickelt. Das nach historischen Vorbildern der Bachzeit gefertigte Instrument in Kastenbauweise besitzt insbesondere auch ein 16'-Register, wie es Bach nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen und im Gegensatz zur bisherigen Lehrmeinung bei seinen Konzerten ausdrücklich forderte und einsetzte.



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